Vive la république: Dann sollen sie Kuchen essen!

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDrucken

Vive la république: Dann sollen sie Kuchen essen!

von Anne Koark (www.anne-koark.com)

Marie Antoinette

In Frankreich war ein sicheres Zeichen des bevorstehenden Zusammenbruchs die Krise des Feudalismus. Der Adel hatte alle Privilegien, hatte aber den Kontakt zu der normalen Bevölkerung verloren, die an Hungersnot leiden musste. Der französische Staat stand unmittelbar vor einer Zahlungsunfähigkeit. In 1789 stiegen die Brotpreise aufgrund eines sehr strengen Winters erheblich an. Die Lebensmittelpreise erhöhten sich um bis zu 60%, der Lohn der Bauern jedoch nur ein Drittel von diesen Preissteigerungen. Die allgemeine Bevölkerung konnte sich kein Brot mehr kaufen. Marie Antoinettes Lösung: „Dann sollen sie Kuchen essen“.

Die Parallelen zur Situation der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind frappierend. Die privaten Insolvenzen steigen monatlich um fast 50% gegenüber dem Vorjahr. Die Kosten steigen aufgrund von allgemeinen Steuererhöhungen, Weltkrisen auf dem Ölmarkt, bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhungen usw. Immer mehr Leute mitunter auch Familien schaffen den Druck nicht. Gleichzeitig ist die Bundesrepublik maßlos überschuldet, was eine Zahlungsunfähigkeit ohne Neuverschuldungen nicht ausschließt. Die Antwort vom Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins und Bundesratspräsidenten, Peter Harry Carstensen laut dem Hamburger Abendblatt am 20. Juli 2006 lautet:

„Alle müssen sparen. Und Sparen heißt, wenn ich in einer Familie kein Geld mehr habe, dann werde ich im nächsten Jahr den Auslandsurlaub verkürzen oder ganz auf ihn verzichten müssen. Und beim Kauf eines Autos kann man eben nicht mehr ein teures Modell nehmen, sondern ein preiswerteres.“

Wer von den betroffenen Familien kann sich überhaupt noch einen Urlaub leisten und ein Auto bei den Benzinpreisen unterhalten?


Bei der Frage nach Sparmaßnahmen der Länder ist Herr Carstensen gegen strengere Auflagen für die Länderhaushalte. Seine Lösung laut Fuldainfo am 21. Juli 2006 lautet:

„Was wir brauchen ist Solidarität zwischen den Ländern….Der Bund müsse die Länder von gesetzlichen Aufgaben entlasten.“

Während das Land somit keinen Anlass zur strengeren Auflagen hat, sollen wir sparen.

Bravo Herr Carstensen! Wollen wir wirklich aus der Politik eine brotlose Kunst machen? Im Übrigen stammt das Wort „Urlaub“ vom mittelhochdeutschen Wort „Erlaubnis“ ab. Im Mittelalter fragten die Ritter ihren Herrn nach Erlaubnis , als „Urlaub“, um in eine Schlacht zu ziehen. In welcher Schlacht sollen wir nun ziehen, Herr Carstensen?
Hoffentlich bleibt Zeit im chauffierten Auto des Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins zum Nachdenken. Denn wenn in neuerer Geschichte der Sturm auf das Regierungsgebäude Schleswig-Holsteins losgeht und es nicht mehr „der Sturm auf die Bastille“ heißt, wie soll dann die Bundesrepublik heißen? Denn für eine Republik kämpfte die französische Bevölkerung damals und in der Bundesrepublik werden wir nun ebenso wenig verstanden wie die brotlosen Bauern der französischen Revolution, die damals gegen Feudalismus und nicht gegen die Republik kämpfen mussten! Nur hätte keiner nun wirklich erwartet, dass das Unverständnis von einem Bauernkind und Agarwissenschaftler namens Herr Carstensen ausgelöst werden würde.