ZDF: Knietief im Dispo Geht die Mittelschicht pleite? Geht die Mittelschicht pleite?

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDrucken

Knietief im Dispo Geht die Mittelschicht pleite? Geht die Mittelschicht pleite?

Wie groß ist die Abstiegsgefahr bei uns wirklich - und wie schwer der Weg zurück? Kümmert sich die Politik zu sehr um diejenigen, die schon ganz unten sind? Werden bei uns die Reichen verschont, die Armen gepämpert und die in der Mitte einfach vergessen? Darüber diskutiert Maybrit Illner mit ihren Gästen.

Gesamte Sendung online anschauen!

CDU und CSU halten die gleiche Besteuerung von Kapitalerträgen und Arbeitseinkommen nach wie vor für wettbewerbsschädlich. Würde die Steuer auf Kapitalerträge erhöht, führe das dazu, "dass das Kapital sich dahin bewegt, wo es eben niedriger besteuert wird", sagte Unionsfraktions-Vize Michael Fuchs in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Das sei ein "internationales Wettbewerbsproblem". "Sie gehen weiter ins Ausland"

Dagegen hielte es die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig für gerecht, wenn Zinsen auf ein Vermögen genauso besteuert würden wie Arbeitslohn. Richtig sei, dass die von Rot-Grün eingeführte Abgeltungssteuer in Höhe von lediglich 25 Prozent unter anderem auf den Trugschluss zurückzuführen gewesen sei, Vermögende vom Kapitalexport abzuhalten. "Aber Fakt ist: Sie gehen weiter ins Ausland", sagte Schwesig und fügte hinzu: "Ich war einige Jahre Finanzbeamtin und Steuerfahnderin und ehrlich gesagt, werden wir ziemlich an der Nase herumgeführt bei diesem Thema." Die SPD wird auch bei ihrem "Nein" zum Steuerabkommen mit der Schweiz bleiben, so Schwesig. Das Abkommen werde dem Anspruch, Steuerflüchtlingen "auf die Schliche zu kommen", sie zu bestrafen und das ins Ausland gebrachte Geld zurückzuholen, nicht gerecht. Der jetzige Spitzenkandidat ihrer Partei für die Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück, habe dagegen genau diese Ziele im Auge gehabt, als er sich mit der Schweiz wegen der dort herrschenden "paradiesischen Bedingungen" für die, "die die Kohle wegschaffen" anlegte.

"Auf Kosten der Mitte" Der Journalist und Autor Walter Wüllenweber hatte zuvor in der Sendung die Besserstellung der "leistungslosen" Anlegereinkommen gegenüber den Einkünften der arbeitenden Mittelschicht scharf kritisiert. Seiner Meinung nach haben sich in Deutschland inzwischen zwei Parallelwelten gebildet - eine oben, eine unten. Beide lebten allerdings auf Kosten der Mitte - ohne selbst Leistung zu erbringen. Auch zeigten diese eine erstaunliche Gemeinsamkeit: Die Trickserei - entweder vorm Finanzamt oder beim Sozialamt. Kein Wunder also, dass die Mittelschicht unter Druck gerate, da sie die Lasten für alle tragen müsse.

Auch Schuldnerberater Peter Zwegat räumte ein, dass seine "Kunden" zunehmend aus der Mittelschicht kommen. Die seien zum einen gescheiterte Selbständige oder auch "häufig Häuslebauer", bei denen Durch Jobverlust oder Krankheit die Finanzierung ins Wanken geriet. Leider gelte aber in vielen Fälle auch immer noch der Grundsatz: "Menschen kaufen mit Geld, das sie nicht haben, Dinge, die sie nicht brauchen, um Menschen zu beeindrucken, die sie nicht leiden können." Tatsächlich seien aber auch die Konsumansprüche gestiegen, so der Schuldnerberater, die Löhne allerdings kaum. Eine Haus oder ein Auto kostete aber heutzutage mehr als noch vor 20 Jahren. "Insolvenz passiert auch Menschen wie mir" Nur wenige trauen sich in die Öffentlichkeit, um dem Thema Insolvenz ein Gesicht zugeben.

Anne Koark, die 2003 mit ihrem hochgelobten Startup-Unternehmen in die Insolvenz geriet, und Kai Boeddinghaus, selbständiger Unternehmer, berichteten bei Maybrit Illner über ihren Weg in die Schuldenfalle - und wieder hinaus. Beiden war wichtig zu sagen, dass Insolvenz jedem passieren könne, auch wer "ehrlich und vorher ohne Schulden" war, sei davor nicht geschützt. Während Boeddinghaus die Politik aufforderte, durch die Stärkung der Binnennachfrage Kleinstuntennehmer zu stärken, ging es Koark auch darum, den Weg der Peitiers zurück ins Geschäft durch eine Reform des Insolvenzrechts zu erleichtern. Das Land brauche mutige Unternehmer und dabei auch solche, die auch mal ein Risiko eingingen.