Überschuldete mit durch­schnitt­lich 34-fachem ihres Monats­einkommens im Minus

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Pressemitteilung Nr. 238 vom 29.06.2015: Überschuldete mit durch­schnitt­lich 34-fachem ihres Monats­einkommens im Minus

WIESBADEN – Die durchschnittlichen Schulden einer überschuldeten Person, die im Jahr 2014 die Hilfe einer Beratungsstelle in Anspruch genommen hat, betrugen 34 504 Euro. Das war knapp das 34-fache des durchschnittlichen monatlichen Einkommens dieses Personenkreises (1 020 Euro). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Grundlage der Überschuldungsstatistik mitteilt, bräuchte ein durchschnittlicher Schuldner demnach 34 Monate, um seine Verbindlichkeiten komplett zurückzuzahlen, wenn er all seine regelmäßigen Einkünfte für den Schuldendienst einsetzen könnte (Überschuldungsintensität).

Durchschnittliche Schulden und durchschnittliches monatliches Einkommen beratener Personen im Jahr 2014
SchuldnerSchuldenEinkommenÜberschuldungs-
intensität
in Monaten
Euro
Insgesamt 34 504 1 020 34
Geschlecht
Frauen 28 167 1 001 28
Männer 40 364 1 038 39
Alter
Unter 25 Jahre 7 938 825 10
25 bis 34 Jahre 18 753 989 19
35 bis 44 Jahre 35 749 1 150 31
45 bis 54 Jahre 45 551 1 082 42
55 bis 64 Jahre 47 581 932 51
65 und älter 53 048 1 000 53
Haushaltstyp
Alleinlebende Frau 24 815 879 28
Alleinerziehende Frau 22 616 1 209 19
Alleinlebender Mann 34 343 908 38
Alleinerziehender Mann 47 099 1 372 34
Paar ohne Kinder 49 677 992 50
Paar mit mindestens einem Kind 37 488 1 212 31
Erwerbsstatus
Erwerbstätig 45 845 1 300 35
Nicht-erwerbstätig 27 343 844 32

Dabei müssten überschuldete Männer in diesem hypothetischen Modell 39 Monatseinkommen für die Rückzahlung aufwenden. Bei überschuldeten Frauen wäre diese Zeit mit 28 Monaten kürzer, aber auch noch deutlich über zwei Jahre. Die Überschuldungsintensität steigt mit dem Alter der überschuldeten Person stetig an. Haben unter 25-Jährige zehnmal so hohe Schulden wie monatliche Einkünfte, so sind die Schulden bei über 65-Jährigen 53-mal so hoch wie das Monatseinkommen. Dies resultiert vor allem aus mit höherem Alter höheren Schulden, während sich die durchschnittlichen Einkommen zwischen den Altersgruppen weniger unterscheiden.

Die Überschuldungsintensität ist je nach Haushaltstyp unterschiedlich stark ausgeprägt. Überdurchschnittlich lange bräuchten Paare ohne Kinder (50 Monate), alleinlebende Männer (38 Monate) beziehungsweise alleinerziehende Männer (34 Monate), um ihre Schulden zu begleichen.

Ob ein Schuldner erwerbstätig ist oder nicht, hat einen starken Einfluss auf die Höhe der Schulden. So belaufen sich die Verbindlichkeiten bei Erwerbstätigen auf 45 845 Euro, wohingegen Nicht-Erwerbstätige nur Schulden in Höhe von 27 343 Euro haben. Aufgrund unterschiedlicher Einkommenssituationen weisen die beiden Personengruppen mit 35 Monaten (erwerbstätig) beziehungsweise 32 Monaten (nicht-erwerbstätig) aber ähnliche Überschuldungsintensitäten auf.

Hauptauslöser der Überschuldung von Personen, die 2014 Unterstützung bei einer Schuldnerberatungsstelle suchten, war der Verlust des Arbeitsplatzes (19 %). Aber auch andere Ereignisse wie zum Beispiel Trennung, Scheidung sowie der Tod der Partnerin/des Partners (zusammen 12 %) beziehungsweise Erkrankung, Sucht oder Unfall (zusammen ebenfalls 12 %) führten häufig zu kritischen finanziellen Situationen. Unwirtschaftliche Haushaltsführung (11 %) und gescheiterte Selbstständigkeit (8 %) waren weitere bedeutende Faktoren.

Methodischer Hinweis:

Die Ergebnisse der Überschuldungsstatistik 2014 beruhen auf Angaben von 395 der insgesamt rund 1 400 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland. Sie stellten anonymisierte Daten von rund 103 000 beratenen Personen mit deren Einverständnis bereit. Die Teilnahme an dieser Statistik ist sowohl für die Beratungsstellen als auch für die Ratsuchenden freiwillig. Die gemeldeten Daten wurden anschließend auf die Grundgesamtheit der durch Schuldnerberatungsstellen beratenen Personen hochgerechnet.

Weitere Auskünfte gibt:
Walter Joachimiak,
Telefon: +49 611 75 2689