Kosten des Insolvenzverfahrens

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Unter Kosten des Insolvenzverfahrens versteht § 54 InsO

1. die Gerichtskosten für das Insolvenzverfahren;

2. die Vergütungen und Auslagen des (vorläufigen) Insolvenzverwalters und der Mitglieder des Gläubigerausschusses.

Die Deckung dieser Kosten ist Voraussetzung für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens , § 26 InsO . Die Kosten des Verfahrens werden vor allen anderen Kosten bedient. Sie gehen insbesondere den Gläubigerforderungen vor.

Die Gerichtskosten unterteilen sich in Gebühren für den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum einen und Gebühren für die Durchführung des Insolvenzverfahrens zum anderen. Maßgeblich für die Berechnung ist das Gerichtskostengesetz mit dem Kostenverzeichnis (dort Nrn. 2310, 2311, 2320 ff., 2330ff.). Die Auslagen sind ebenfalls im Kostenverzeichnis zum Gerichtkostengesetz (Nrn. 9000 ff.) geregelt.

Hinsichtlich der Vergütungen und Auslagen fällt die Vergütung des (vorläufigen) Insolvenzverwalters in der Regel am deutlichsten ins Gewicht. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist sie auch Gegenstand zahlreicher revisionsgerichtlicher Entscheidungen. Die Höhe der Vergütung ist detailliert in der InsVV (Insolvenzrechtliche Vergütungsverordnung) geregelt. Sie beträgt seit neuestem mindestens EUR 1.000 (§ 2 Abs. 2 InsVV). Im Übrigen ist die Vergütung von der Insolvenzmasse abhängig. § 2 Abs. 1 InsVV sieht dabei eine Staffelung vor, nach der von den ersten EUR 25.000 in der Regel 40 % an den Insolvenzverwalter gehen, von dem über EUR 50.000.000 hinausgehenden Betrag 0,5 %. Die Verordnung sieht aber zahlreiche Zu- und Abschläge vor. Die Vergütung des vorläufigen Insolvenzverwalters richtet sich gemäß § 11 InsVV nach der Vergütung des Insolvenzverwalters. Sie beträgt in der Regel 25 % dieser Vergütung.

Die Berechnung der Vergütung der Mitglieder des Gläubigerausschusses ist in den §§ 17 f. InsVV geregelt. Vorgesehen sind Stundensätze zwischen EUR 35 und 95 zuzüglich Auslagen und Umsatzsteuer.

Die Kosten des Verfahrens können natürlichen Personen, die einen Antrag auf Restschuldbefreiung stellen, auf Antrag gestundet werden, § 4a InsO (zum Reformvorhaben vgl. Wohlverhaltensperiode ). Anders als die Prozesskostenhilfe kann die Stundung der Kosten des Insolvenzverfahrens nicht mit der Begründung versagt werden, der Schuldner habe die Vermögenslosigkeit schuldhaft herbeigeführt, vgl. BGH, Beschluss vom 21. September 2006 - IX ZB 24/06, unter diesem Aktenzeichen zu finden auf http://www.bundesgerichtshof.de.

Rechtspolitisches

Es ist allgemein bekannt, dass in den meisten Insolvenzverfahren entweder äußerst niedrige oder gar keine Ausschüttungen an die Gläubiger erfolgen. Das geht nicht zuletzt darauf zurück, dass gerade bei geringen Massen von wenigen Tausend EURO die Kosten des Verfahrens den Großteil der Masse aufzehren. Zu bedienen sind das Gericht, der Sachverständige, der die Eröffnungsvoraussetzungen prüft, der vorläufige und schließlich der endgültige Insolvenzverwalter. Ein Insolvenzverfahren kann in der Regel erst eröffnet werden, wenn die Masse über EUR 2.000 liegt. Denkbar und nicht so selten sind Verfahren, die etwa aufgrund der unübersichtlichen Verhältnisse des Schuldners einen großen Aufwand erfordern. Die dadurch bedingten Zuschläge führen dazu, dass die Masse weitaus größer sein muss. Aus Sicht der Gläubiger ist die Erkenntnis, dass die gesamte Masse letztlich vom Insolvenzverwalter vereinnahmt wird, bitter. Da jedoch niemand umsonst zu arbeiten bereit ist, liegt die Alternative im Verzicht auf das Insolvenzverfahren. Die meisten Gläubiger würden dann nichts erhalten, da die professionellen Gläubiger (etwa Banken) alles wegpfänden würden. Ein nicht mehr marktfähiger Schuldner würde weiter am Markt agieren und weitere Gläubiger schädigen können. Ein weiterer Grund für geringe Quoten liegt zudem darin, dass der Insolvenzantrag oft verspätet gestellt wird (vgl. Insolvenzverschleppung ). Selbst die nur in bestimmten Fällen angedrohte Haftung (etwa §§ 64, 84 GmbHG) verhindert nicht die enorme Anzahl der verschleppten Insolvenzen.

 


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